LINUS RIEPLER_Beobachtungsstube
„Und alles was wir hassen, seit dem ersten Tag, wird uns niemals verlassen, weil man es eigentlich ja mag“ (Tocotronic, Let There Be Rock)
Die eigenen vier Wände sind ein Ort des Rückzugs. Sie sind aber auch der Ort, von dem aus die Welt betrachtet, eingeordnet und beurteilt wird. In ihnen bilden sich Weltbilder, Gewohnheiten und Vorstellungen, die über Generationen weitergetragen werden. Die Skulptur verbindet die vertraute Form einer Bauernstube mit der Idee eines Wachturms.
Jeremy Bentham entwarf einst die perfekte Überwachungsarchitektur: das Panopticon – ein Gefängnis, dessen Zentrum ein Wachturm bildet, von dem aus jederzeit alles sichtbar ist. In der Beobachtungsstube entsteht ein Raum zwischen Rückzugsort und Wachzimmer, in dem die Grenzen zwischen Schutz und Abschottung sowie zwischen Zugehörigkeit und Misstrauen verschwimmen.
Foto: Elene Gochaleishvili
GIN MÜLLER_Klimt.Kleber.Klima.Klagen.
Idyllische Sommerfrische trifft auf die harte Realität der globalen Krise. In der Atterseehalle verwandelt Gin Müller den Raum in ein begehbares, multimediales Klima-Camp auf echtem Rasen, eingerahmt von Screens, Klimt-Zitaten und klassischen Landschaftsgemälden. Per Kopfhörer gerät das Publikum mitten in die Zerreißprobe unserer Gegenwart: Ein Audiokanal liefert die ungeschönte Perspektive von realen Klimaaktivist:innen (ehemals Letzte Generation), der andere den zynischen Smalltalk der gegnerischen Business-Seite. Vor dem Hintergrund bevorstehender internationaler Klimaklagen gegen fossile Großkonzerne wird die Halle zum verhandelbaren Raum zwischen Aktivismus, Justiz und Kunst.
An den Wochenenden wird die täglich zugängliche Installation direkt von Klimaaktivist:innen begleitet.
Samstags lädt das „Betthupferl“ am gemütlichen Lagerfeuerkreis im Klimahallencamp zu Gute-Nacht-Geschichten über Gemeinwohlökonomie und radikale Protestformen.
Die Arbeit fungiert zugleich als Teaser für die Performances von „Justitia! Eco Criminals“ (7. & 8. August).
Foto: David Cuka
ABSCHLUSS
Zum Abschluss wird die Atterseehalle am helllichten Tag zur Party hosted by Sebastian Lehner, mit den gesammelten Soundcollagen des Vinylographen. Es ist das finale, ironische Bild: Drinnen in der finsteren Halle wird auf echtem Rasen gefeiert, während draußen die Sommerfrische Urlaub macht. Kommt und tanzt zu TOTALSCHADEN.
Foto: Sebastian Lehner
ALP RUBEN_Frühstück 3
Alp ist Architekt und Kulinarikkünstler aus Istanbul. Seit vier Jahren gibt er Koch- und Fermentationsworkshops, veranstaltet regelmäßig Supper Clubs und war auch schon bei einigen kulinarischen Festivals in Wien dabei. Seine Küche ist im Nahen Osten verwurzelt, aber er holt sich seine Inspirationen weltweit. Zu erwarten ist Miso aus Joghurt in Frischkäse, Böreks voller Käse, Jalapeños und Kimchi oder Oliven mit Doubanjiang und Apfelmarmelade. Es wird ein Fest!
Foto: Alp Ruben
GIN MÜLLER_Justitia! Eco Criminals
An zwei Abenden verwandelt sich die Installation in der Atterseehalle in ein Live-Szenario: Künstlerin Sabine Marte führt das Publikum als Guide mitten durch die Zerreißprobe unserer Gegenwart.
Die Kulisse aus echten Rasenflächen, Klimt-Zitaten und klassischen Landschaftsgemälden wird zum Verhandlungsraum für eine radikale Frage: Wer sind die wahren Kriminellen? Jene, die Flughäfen blockieren und Kunstwerke beschütten, oder jene, die Meere und Wälder zerstören? Zwei Seiten eines hochaktuellen Konflikts prallen hier direkt aufeinander. Das Publikum entscheidet vor Ort, welcher Perspektive des Geschehens es physisch durch die Halle folgt: dem Weg der Aktivist:innen oder der Sicht der Konzerne. Zwei parallele Erzählungen laufen gleichzeitig ab und konfrontieren uns mit den ungeschönten Tatsachen: Während fossile Konzerne weltweit mit Klimaklagen konfrontiert sind, stehen Aktivist:innen immer öfter selbst unter Anklage.
Foto: Gin Müller
NETTI NÜGANEN_Open House
Willkommen. Ein großer Raum im Loft-Stil. Hohe Decken, freiliegende Balken, ein Zementboden. Der Blick wandert an den weißen Wänden entlang. Keine Flecken, keine Kratzer – einfach nur dieses Weiß. Jetzt der Boden: Es ist Rasen. Schaut genau hin, durchbohrt ihn mit den Pupillen, bis alles andere verschwimmt. Pure Reizüberflutung. Es beginnt auf den Boden zu tropfen – tropf, tropf, tropf – süß wie Sirup. Ihr bringt alles zum Schmelzen: die Rohre, die Heizkörper, den Staub, die Stecker und Schalter, den Schmutz und den seltsam aussehenden Rasen. Braucht kein Mensch mehr. Ein nasser, klebriger Teich entsteht – eine Pfütze aus schwarzem, stehendem Wasser. Bitte ziehen Sie Ihre Schuhe aus, wenn Sie dieses Grundstück betreten.
Vor der Panoramakulisse des Attersees und der umliegenden Berge lädt Nüganen zu einem Open House. Sie nutzt Eis als Erzählmedium und übernimmt die Rolle einer Immobilienmaklerin, die malerische Aussichten versteigert, während diese gerade verschwinden. Die Performance entwickelt sich zu einer Reise des Auges, das erkundet, auswählt und Werte zuweist. Nüganen hinterfragt die Unschuld des Blickens – ein Akt, der untrennbar mit Begehren, Besitz und Kontrolle verknüpft ist. Welche Formen des Zusammenlebens entstehen, wenn die Wahrnehmung selbst am Verlust teilhat? Das Schmelzen wird hier nicht zum Ende, sondern zur Möglichkeit für Verhandlung und Veränderung.
Foto: Marii Kiisk
POMALI_Frühstück 2
Mathilde Mazaud und Karoline Schuster haben sich zwei Jahre lang Seite an Seite im „Brösl“ in die Wiener Gastro-Herzen gekocht. Seit April machen sie im eigenen Lokal „pomali“ gemeinsame Sache: Sie haben das ehemalige Wirtshaus Jagetsberger im 15. Bezirk übernommen und bringen frischen Wind in alte Beisl-Mauern. Gekocht wird regional, saisonal und mit viel Liebe zum Produkt. Auf den Teller kommt, was sie selbst begeistert: ehrliche Gerichte, viel Gemüse und Zutaten, die gerade ihre beste Zeit haben.
Foto: Pomali
OZAN SAYGI_Frühstück 1
Ozan Saygi – Spitzenkoch mit klassischer Musikausbildung und feiner kulinarischer Handschrift. Geboren in Istanbul, ausgebildet in Paris bei Le Cordon Bleu, geprägt von Frankreichs Spitzenköchen wie Éric Briffard und Christophe Hardiquest. Zurück in Österreich verfeinerte er sein Können in Wiener Top-Restaurants wie Le Salzgries, bei Konstantin Filippou und im Taubenkobel. Kulinarische Reise: der Südwind führt nach Norden. Man darf wiedermal gespannt sein.
Foto: Ozan Saygi
KIOSK/VINYLOGRAPH
FKK Kiosk
Der K67-Kiosk, 1966 vom slowenischen Architekten Saša Mächtig entworfen, war jahrzehntelang im ehemaligen Jugoslawien allgegenwärtig. Hauptsächlich Zeitungen und Rubbellose wurden daraus verkauft. Im Rahmen des Perspektiven Festivals präsentiert Freie Kiosk Kultur (FKK) erstmals ihr neuestes Modul: nicht rot und viereckig wie im letzten Jahr, sondern gelb und dreieckig. Und in diesem Kiosk zieht für die gesamte Dauer des Festivals der Vinylograph ein.
Foto: Felix Hohagen
Vinylograph
Deep Talk Dorf-Talk
Dorfgeheimnisse, die wirklich noch geheim sind.
Der Vinylograph ist eine Maschine, die Stimmen, Geräusche und Töne direkt auf eine Schallplatte aufnehmen kann. Er steht im Kiosk und jede:r kann kommen und einen Song, einen Gruß, eine Erinnerung oder sehr gute Vorsätze auf eine Schallplatte sprechen, singen oder flüstern. Dafür muss ein noch wirklich geheimes Geheimnis aus dem Ort, wo man wohnt, verraten werden. Aus diesen großen, kleinen, erstunken und erlogenen, erfreulichen, langweiligen und grausigsten Heimlichkeiten entsteht eine Audiocollage, die am 9.8. um 11:00, live zu hören sein wird.
Foto: Vinylograph
Christoph Freidhöfer ist Bildender Künstler und Apparatebauer. Er lebt und arbeitet in Wien an Metallskulpturen, bewegten und/oder konzeptuellen Objekten und Apparaten, sowie an Raum-, Audio- und Videoinstallationen. Mit dem „Vinylograph“ hat er eine Maschine zur Direktaufnahme auf analoge Tonträger gebaut (Schallplatten-Direktschnitt). Dieses Projekt, das er zu autonomen analogen Mini-Studio weiterentwickelt hat, betreibt er zusammen mit Natascha Muhic. Es funktioniert wie ein Passbildautomat, nur wird kein analoges Bild aufgezeichnet, sondern analoger Ton – auf Schallplatte.












