EUROTEURO

Bekannt für ihren Wiener Schmäh, ihren expressiven Synthie-Pop und ihre fantastischen Ohrwürmer: Das Duo um Mastermind Peter T. und Frontfrau Katharina Maria Trenk feiert zehnjähriges Jubiläum und bringt genau das in den Musikpavillon, wofür man sie kennt: ihren legendären, trocken-dadaistischen Elektropop und den unverwechselbaren Wiener Größenwahn. Ihre Beats zwischen Lo-Fi-Gitarrenpop, New Wave und Synth-Pop gehen direkt ins Bein, während die lakonischen Texte rotzfrech zwischen Sehnsucht, Realitätsflucht und ungeniertem Trotz oszillieren. Wer Hymnen wie „Autogrill“ oder „Insel“ im Ohr hat, bekommt hier die volle, ungefilterte Dosis Euroteuro.

Foto: Angelo Kaiser

FENNESZ

Fennesz ist ein Urgestein der österreichischen Musiklandschaft, ein weltweiter Pionier der elektronischen Kunst und ein internationaler Star: Christian Fennesz. Seit den 90er-Jahren verschiebt der Wiener Ausnahmekünstler die Grenzen des Machbaren. Wenn eine solche Ikone, die sonst die größten Konzerthäuser und Avantgarde-Festivals rund um den Globus bespielt, für ein intimes Set an den Attersee kommt, ist das ein absolutes Jahrhundertereignis. Mit seinem neuesten, international hochgelobten Album „Mosaic“ verdichtet er seine jahrzehntelange Klangforschung zu einem vielschichtigen Meisterwerk aus brüchigen Melodien und modularer Elektronik. Seine radikale Fusion aus verzerrten E-Gitarren-Klängen und digitaler Laptop-Verarbeitung bricht vollkommen mit klassischen Hörgewohnheiten – und das an einem spektakulären Ort: Fennesz bringt seine visionären Ambient- und Noise-Klangarchitekturen live in die akustisch imposante evangelische Kirche. Ein unvorhersehbarer, improvisierter Soundtrip zwischen digitaler Abstraktion und roher, zutiefst menschlicher Emotionalität.

Foto: Carsten Nicolai

ERÖFFNUNG

Wie bereits in den vergangenen Jahren kochen Barbara Gölles und Thomas Kasebacher wieder und laden an die gedeckten Tische auf dem Vorplatz der Atterseehalle – bei Schönwetter draußen, sonst drinnen. Es gibt was in Schwarz, Gelb und Rot, passend zur Festival-Grafik des brennenden Planeten. Das soll übrigens kein billiges Weltuntergangs-Szenario darstellen, sondern vielmehr auf die realen Risse unserer Gegenwart hinweisen. Sind die überwindbar? In den zwei Wochen und drei Wochenenden jagt das Festival dieses Gefühl von TOTALSCHADEN ungefiltert durch das gesamte Programm. Der Wein stammt, wie immer, von Wieninger. Kommet pünktlich und zahlreich.

Foto: Paul Gasser

SIMONE BARLIAN

Die Welt arbeitet heutzutage wie ein großes Entertainment Programm, Alles wird zum Spektakel zum Event. Themen werden bis zur absoluten Leere überinszeniert, Erkenntnisse reichen über das pure Wissen meist nicht hinaus und produzieren somit kaum räumliche Konsequenz, die Info–Culture ertrinkt in KI und AI Gewässern. Wo wohnt das Nichts?

Foto: Simone Barlian

LINUS RIEPLER_Beobachtungsstube

„Und alles was wir hassen, seit dem ersten Tag, wird uns niemals verlassen, weil man es eigentlich ja mag“ (Tocotronic, Let There Be Rock)

Die eigenen vier Wände sind ein Ort des Rückzugs. Sie sind aber auch der Ort, von dem aus die Welt betrachtet, eingeordnet und beurteilt wird. In ihnen bilden sich Weltbilder, Gewohnheiten und Vorstellungen, die über Generationen weitergetragen werden. Die Skulptur verbindet die vertraute Form einer Bauernstube mit der Idee eines Wachturms.


Jeremy Bentham entwarf einst die perfekte Überwachungsarchitektur: das Panopticon – ein Gefängnis, dessen Zentrum ein Wachturm bildet, von dem aus jederzeit alles sichtbar ist. In der Beobachtungsstube entsteht ein Raum zwischen Rückzugsort und Wachzimmer, in dem die Grenzen zwischen Schutz und Abschottung sowie zwischen Zugehörigkeit und Misstrauen verschwimmen.

Foto: Linus Riepler

GIN MÜLLER_Klimt.Kleber.Klima.Klagen.

Idyllische Sommerfrische trifft auf die harte Realität der globalen Krise. In der Atterseehalle verwandelt Gin Müller den Raum in ein begehbares, multimediales Klima-Camp auf echtem Rasen, eingerahmt von Screens, Klimt-Zitaten und klassischen Landschaftsgemälden. Per Kopfhörer gerät das Publikum mitten in die Zerreißprobe unserer Gegenwart: Ein Audiokanal liefert die ungeschönte Perspektive von realen Klimaaktivist:innen (ehemals Letzte Generation), der andere den zynischen Smalltalk der gegnerischen Business-Seite. Vor dem Hintergrund bevorstehender internationaler Klimaklagen gegen fossile Großkonzerne wird die Halle zum verhandelbaren Raum zwischen Aktivismus, Justiz und Kunst.

An den Wochenenden wird die täglich zugängliche Installation direkt von Klimaaktivist:innen begleitet.

Samstags lädt das „Betthupferl“ am gemütlichen Lagerfeuerkreis im Klimahallencamp zu Gute-Nacht-Geschichten über Gemeinwohlökonomie und radikale Protestformen.

Die Arbeit fungiert zugleich als Teaser für die Performances von Justitia! Eco Criminals (7. & 8. August).

Das Projekt ist Teil der 5-jährigen Artistic Research und Aufführungs-Serie „JUSTITIA! Performative Formate zu Recht und Gerechtigkeit“. Künstlerische Leitung: Gin Müller. Produziert vom Verein zur Förderung der Bewegungsfreiheit. Gefördert von der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7)

Foto: David Cuka

ABSCHLUSS

Wie bereits in den vergangenen Jahren kochen Barbara Gölles und Thomas Kasebacher wieder und laden an die gedeckten Tische auf dem Vorplatz der Atterseehalle – bei Schönwetter draußen, sonst drinnen. Es gibt was in Schwarz, Gelb und Rot, passend zur Festival-Grafik des brennenden Planeten. Das soll übrigens kein billiges Weltuntergangs-Szenario darstellen, sondern vielmehr auf die realen Risse unserer Gegenwart hinweisen. Sind die überwindbar? In den zwei Wochen und drei Wochenenden jagt das Festival dieses Gefühl von TOTALSCHADEN ungefiltert durch das gesamte Programm. Der Wein stammt, wie immer, von Wieninger. Kommet pünktlich und zahlreich.

Foto: Sebastian Lehner

ALP RUBEN_Frühstück 3

Alp ist Architekt und Kulinarikkünstler aus Istanbul. Seit vier Jahren gibt er Koch- und Fermentationsworkshops, veranstaltet regelmäßig Supper Clubs und war auch schon bei einigen kulinarischen Festivals in Wien dabei. Seine Küche ist im Nahen Osten verwurzelt, aber er holt sich seine Inspirationen weltweit. Zu erwarten ist Miso aus Joghurt in Frischkäse, Böreks voller Käse, Jalapeños und Kimchi oder Oliven mit Doubanjiang und Apfelmarmelade. Es wird ein Fest!

Foto: Alp Ruben

GIN MÜLLER_Justitia! Eco Criminals

An zwei Abenden verwandelt sich die Installation in der Atterseehalle in ein Live-Szenario: Künstlerin Sabine Marte führt das Publikum als Guide mitten durch die Zerreißprobe unserer Gegenwart.

Die Kulisse aus echten Rasenflächen, Klimt-Zitaten und klassischen Landschaftsgemälden wird zum Verhandlungsraum für eine radikale Frage: Wer sind die wahren Kriminellen? Jene, die Flughäfen blockieren und Kunstwerke beschütten, oder jene, die Meere und Wälder zerstören? Zwei Seiten eines hochaktuellen Konflikts prallen hier direkt aufeinander. Das Publikum entscheidet vor Ort, welcher Perspektive des Geschehens es physisch durch die Halle folgt: dem Weg der Aktivist:innen oder der Sicht der Konzerne. Zwei parallele Erzählungen laufen gleichzeitig ab und konfrontieren uns mit den ungeschönten Tatsachen: Während fossile Konzerne weltweit mit Klimaklagen konfrontiert sind, stehen Aktivist:innen immer öfter selbst unter Anklage.

Foto: Gin Müller

Credits
Künstlerische Leitung/Regie: Gin Müller
Live Performance: Sabine Marte
Video Performance: Edwarda Gurrola, Nicholas Hoffman, Nora Jacobs, Martha Krumpeck, Anna Mendelssohn, Marco Otoya, Lorenz Trattner, Florian Wagner
Produktion & Dramaturgie Adaption: Wilhelm Binder; Marie-Christin Rissinger 
Tonaufnahmen Adaption: Gustavo Petek
Video Adaption: Rajarshi Sarkar 
Technik: Julian Vogel 
Dramaturgie: Laura Andreß
Musik / Sound: Nicholas Hoffman
Video: Nils Olger
Kostüm & Bühne: Sophie Baumgartner
Grafikdesign: Georg Starzner
Beratung: Martin Zistler, Mira Kapfinger

NETTI NÜGANEN_Open House

Willkommen. Ein großer Raum im Loft-Stil. Hohe Decken, freiliegende Balken, ein Zementboden. Der Blick wandert an den weißen Wänden entlang. Keine Flecken, keine Kratzer – einfach nur dieses Weiß. Jetzt der Boden: Es ist Rasen. Schaut genau hin, durchbohrt ihn mit den Pupillen, bis alles andere verschwimmt. Pure Reizüberflutung. Es beginnt auf den Boden zu tropfen – tropf, tropf, tropf – süß wie Sirup. Ihr bringt alles zum Schmelzen: die Rohre, die Heizkörper, den Staub, die Stecker und Schalter, den Schmutz und den seltsam aussehenden Rasen. Braucht kein Mensch mehr. Ein nasser, klebriger Teich entsteht – eine Pfütze aus schwarzem, stehendem Wasser. Bitte ziehen Sie Ihre Schuhe aus, wenn Sie dieses Grundstück betreten.

 

Vor der Panoramakulisse des Attersees und der umliegenden Berge lädt Nüganen zu einem Open House. Sie nutzt Eis als Erzählmedium und übernimmt die Rolle einer Immobilienmaklerin, die malerische Aussichten versteigert, während diese gerade verschwinden. Die Performance entwickelt sich zu einer Reise des Auges, das erkundet, auswählt und Werte zuweist. Nüganen hinterfragt die Unschuld des Blickens – ein Akt, der untrennbar mit Begehren, Besitz und Kontrolle verknüpft ist. Welche Formen des Zusammenlebens entstehen, wenn die Wahrnehmung selbst am Verlust teilhat? Das Schmelzen wird hier nicht zum Ende, sondern zur Möglichkeit für Verhandlung und Veränderung.

 

Netti Nüganen (AT/EE) ist Performance-Künstlerin und Regisseurin. In zunehmend entfremdenden Zeiten, die schnell als „normal“ abgestempelt werden, hinterfragt Nüganen, welche Formen des Erzählens notwendig sind und was auf dem Spiel steht. Ihre Arbeit setzt sich über klangstarke, erzählerische Ansätze mit Dark Ecology auseinander. Nüganen tritt in Dialog mit ihrer Umgebung, indem sie oft mit großen Mengen natürlicher Materialien wie Tonpulver, frisch gemähtem Rasen und Eis arbeitet. Geschichten aufzubauen und sie gleichzeitig zu dekonstruieren, ist ihre Methode, um Raum für neue Dramatiken zu öffnen – und den performativen Moment zu nutzen, um zu konfrontieren und zu transformieren. Nüganens Arbeiten wurden unter anderem beim My Wild Flag Festival, Impulstanz Festival, Batard Festival, Pre-Urbaines, Tartu Art Museum, KIM? Gallery, Kanuti Gildi SAAL, Lisbon Film Festival, Lewisham Art Gallery und Sequences Festival gezeigt. Zudem tourt sie seit 2017 mit den Performances von Florentina Holzinger.

Foto: Marii Kiisk